Pavlina Popova
Pavlina Popova

Warum hast du dich für das Studium an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der HU entschieden?

In der Oberstufe war ich, wie viele andere Schüler in dieser Lebensphase, unschlüssig, welchen Weg ich einschlagen wollte. Ich versuchte mir vorzustellen, welcher Studiengang mir welche beruflichen Türen öffnen könnte und was ich denn eigentlich im Leben vor hatte. Zwei sehr schwierige Fragen zu dieser Zeit, da die wenigen Bezugspunkte und Beispiele in der Regel die eigenen Eltern sind (meine sind beide Naturwissenschaftler).

Ich stellte zwei Dinge fest: Ich bin analytisch stark und ich möchte Karriere machen (was das bedeutet, wusste ich zu diesem Zeitpunkt allerdings auch nicht so genau). Somit fiel meine selbstverständlich unerfahrene Wahl (woher sollte die Erfahrung denn auch stammen bei einem Erststudium?) auf ein wirtschaftswissenschaftliches Studium. Den Unterschied zwischen der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre kannte ich nicht, kam jedoch durch eigene Recherche drauf, dass die Volkswirtschaftslehre besser zu mir passen würde, da meine Stärke insbesondere in der Mathematik lag. Rückblickend war das die richtige Entscheidung.

Die Wahl der Universität fiel mir hingegen einfacher. Ich wusste, dass ich nach Berlin wollte und war von der Humboldt Universität überzeugt, da gab es für mich keine Alternative. Trotz einer Aufnahme an der Universität Mannheim entschied ich mich für ein Studium in Berlin und habe diese Entscheidung nie bereut.


Was ist dir aus deiner Zeit an der Fakultät besonders in Erinnerung geblieben?

Durch meine beiden Tätigkeiten als studentische Hilfskraft an der Fakultät (Tutorin für Mathematik I und II und Tutorin beim begleitenden Lernen durch das bologna.lab) habe ich ironischerweise viele Erinnerung daran selber zu lehren und Studenten zu helfen. Dabei ging es vor allem um Fragestellungen und Problemlösung in den analytischen Fächern wie Mathematik, Statistik oder Ökonometrie, bei denen viele Studenten gerne mal verzweifeln. Das Lehren hat mir teilweise noch mehr Spaß gemacht als das Lernen.

Was das Lernen angeht werde ich hingegen immer an die viele Tage und Nächte im Wilhelm-Grimm Zentrum mit meinen Freunden zurückdenken inkl. der Mensa-Mittagspausen und den Rewe-Brötchen-Abendessen. Auch wenn diese Tage immer lang und mühsam waren, gab es nichts Schöneres als das Gefühl gemeinsam mit seinen Kommilitonen an etwas zu arbeiten, Zeit zu verbringen und sich gegenseitig zu unterstützen.


Welche beruflichen Ziele hattest du während deines Studiums?

Konkrete berufliche Ziele hatte ich während des Studiums nicht. Aus genau diesem Grund war es für mich besonders wichtig mir beruflich alle Türen offen zu halten. Das hatte zwei Dinge zur Folge: Zum einen wollte ich in allen Fächern gut sein und Expertise aufbauen und zum anderen so viele berufliche Erfahrungen (angefangen von Veranstaltungen bis hin zu Praktika) wie möglich sammeln.


Wie kam es zu deinem jetzigen Beruf?

Während meines Bachelor-Studiums war ich davon überzeugt, dass ich dem Vorbild meiner Eltern folgen und eine wissenschaftliche Karriere an der Universität anstreben werde. Allerdings stellte ich gegen Ende des Bachelorstudiums fest, dass mich die private Wirtschaft immer mehr interessierte. Daher entschloss ich mich eine Werkstudentenstellen zu suchen und wurde zufällig bei der Berliner Sparkasse fündig, wo ich im Risikomanagement halbtags arbeitete.

Vor Abschluss des Masterstudiums wollte ich dann auch diese „Unternehmensberatungs“-Erfahrung mitnehmen von der alle immer sprachen (lacht) und absolvierte daher zwei Praktika: eines in der internen und eines in der externen Beratung. Letztlich entschied ich mich nach dem Masterstudium für die externe Beratung. Von da an brachte mich eine Erfahrung zur nächsten: Ich beschäftigte mich in der Beratung mit der FinTech-Szene und wechselte im Anschluss in ein Berliner FinTech, wo ich für die Bankenkooperation verantwortlich war. Von dort aus gelangte ich durch eine angestrebte Kooperation mit dem Sparkassen-Sektor in den Deutschen Sparkassen- und Giroverband, wo ich derzeit als Projektleiterin für die digitale Payment-Strategie verantwortlich bin.

Im Nachgang könnte ich immer behaupten, dass mein bisheriger Weg genau geplant war. Die Wahrheit ist jedoch, dass ich stets mit offenen Augen, großem Interesse und Demut durch die Welt gegangen bin. Das hat mich dorthin gebracht, wo ich heute bin. Ich bin davon überzeugt, dass heute Karrieren mehr denn je nicht mehr geradlinig verlaufen müssen und vor allem die ersten Berufsjahre dafür da sind, herauszufinden wo die Reise hingehen soll. Und wenn man viel Glück hat, ist die erste Erfahrung positiv, der Chef ist super, die Kollegen sind toll, vielleicht ist es sogar in der richtigen Branche! Und wenn nicht, dann ist es der Abschnitt einer Entdeckungsreise hin zu dem, wofür man tatsächlich brennt.


Hast du noch Kontakt zu ehemaligen Kommilitonen?

Das habe ich. Ich denke, die Studienzeit ist eine der prägendsten Zeiten, in der man langjährige Freundschaften schließt. Man lernt und feiert zusammen, macht die ersten von den Eltern unabhängigen Entscheidungen und Fehler und findet langsam heraus, wer man in dieser Welt und Gesellschaft sein möchte. Das schweißt zusammen.

Es ist besonders spannend nach einigen Jahren im Berufsleben auf alte Kommilitonen zu stoßen, die in der gleichen Industrie arbeiten. Gemeinsamkeiten vor allem beim Studium verbinden Leute nun einmal ein Leben lang. Aus diesem Grund möchte ich mich noch stärker für die Alumni-Arbeit an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der HU einsetzen und dabei helfen, ein starkes und integratives Netzwerk aufzubauen. Was andere, teils auch privatwirtschaftliche, Universitäten vormachen, können wir mit den großartigen Leuten die an der Fakultät ihr Studium absolvieren ebenfalls erreichen – ein Fördern, Fordern und voneinander lernen über jegliche Jahrgänge hinweg!


Wenn die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät eine neue Professur erhalten würde, welchen fachlichen Schwerpunkt würdest du dich wünschen? 

Ganz klar Entrepreneurship – das Gründerdenken hilft in jeder Position weiter. Dafür muss man kein Gründer werden. Man lernt jedoch, wie man Ideen und Produkte richtig verkauft, welche Abwägung man treffen muss, um profitabel zu werden und wie man sich schnell und flexibel an die heutigen Marktgegebenheiten anpassen kann. Ein Unternehmen von Null aufzubauen gehört somit aus meiner Sicht zum 1 mal 1 der Betriebswirtschaft. Immerhin war jeder heutige große Konzern irgendwann selbst mal ein Start-Up.


Welchen Rat würdest du den Student*innen geben?

Seid pragmatisch und nicht zu perfektionistisch bei der Planung eures Werdegangs und vor allem – geht mit offenen Augen durch das Studium! Nutz eine Gelegenheit, wenn sie sich ergibt, denn die einzig vertane Chance ist die, die man nicht ergriffen hat. Es gibt keinen Masterplan und all das, was man vorab denkt über einen Beruf zu wissen, ist in der Praxis doch anders.

Nehmt an unterschiedlichen Karriere-Veranstaltungen teil, lernt Leute kennen, stellt Fragen und sammelt so viele diverse praktische Erfahrungen wie möglich. Ohne diese Erfahrungen könnt ihr gar nicht wissen, welchen Beruf ihr ausüben wollt bzw. was euch Spaß macht und worin ihr gut seid.

Genau dafür haben wir an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der HU ein Mentoring-Programm aufgesetzt, für das sich Studenten anmelden können und auf Mentoren wie mich zugehen, um individuelle Tipps und Erfahrungen zu erhalten. Schaut doch mal rein- vielleicht ist der richtige Mentor für euch dabei.